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Der Grenzübergang in der Friedrichstraße

Straßenschild an der Ecke Zimmerstraße und Friedrichstraße, im Hintergrund der Grenzübergang

Die Grenze an der Ecke Zimmerstraße und Friedrichstraße © Stiftung Berliner Mauer, Foto: Michael-Reiner Ernst

Der wohl bekannteste Grenzübergang in Berlin

Ein Ereignis machte den Ort weltbekannt: Im Oktober 1961 standen sich hier – mitten in Berlin – US-amerikanische und sowjetische Panzer bedrohlich gegenüber. Die Fotos gingen damals um die Welt und gehören heute zu den Ikonen des Kalten Kriegs.

Zehn Wochen zuvor hatte die DDR, als sie die Grenze in Berlin abriegelte, an der Friedrich-/Ecke Zimmerstraße einen Grenzübergang geschaffen. Er war ausschließlich für den Verkehr des west-alliierten Militärpersonals, Diplomatinnen und Diplomaten sowie Personen aus dem Ausland vorgesehen. Die West-Alliierten protestierten gegen diese Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit, die ihnen durch den Vier-Mächte-Status der Stadt garantiert war. Aber schließlich akzeptierten sie diese und richteten auf der West-Berliner Seite einen Kontrollpunkt ein. Gemäß dem NATO-Alphabet erhielt er – nach dem Checkpoint Alpha an der innerdeutschen Grenze, dem Checkpoint Bravo an der Grenze zwischen DDR und West-Berlin – die Bezeichnung Checkpoint Charlie. Hier kontrollierte zunächst nur die US-amerikanische Besatzungsmacht, schon bald aber auch die britische und französische Besatzungsmacht den Grenzverkehr und die Wahrung ihrer Rechte.

Der Konflikt, der zur Panzerkonfrontation führte, wurde durch das Bestreben der DDR ausgelöst, den unkontrollierten Grenzübertritt der westlichen Alliierten einzuschränken. So verwehrten DDR-Grenzpolizisten Angehörigen der westlichen Alliierten in Zivil die Durchfahrt, wenn diese sich nicht auswiesen. Die USA ließen daraufhin solche Fahrzeuge von bewaffneten Militärpolizisten eskortieren und schickten schließlich Panzer an den Checkpoint. Parallel führte sie im Hintergrund Gespräche mit der Sowjetunion, die zunächst ohne Ergebnis verliefen. Erst als am 27. Oktober auch sowjetische Panzer auffuhren und sich die Panzer der beiden Supermächte gefechtsbereit gegenüberstanden, kam es zu einer Einigung. Nach 16 Stunden endete das strategische und medienwirksame Kräftemessen mit dem Abzug der Panzer – zunächst der sowjetischen Panzer, dann der US-amerikanischen.

An den international bekannten Mauerort führten viele Staatsbesuche und er zog Menschen an, die einen geeigneten Ort für Protestaktionen suchten. Diese hatte zudem mit dem Haus am Checkpoint Charlie unter Leitung von Rainer Hildebrandt eine Anlaufstation. Seit 1963 gab es hier eine Ausstellung zur Mauer, zu Fluchtgeschichten und zu Menschenrechtsfragen. Diese Ausstellung und eine große Aussichtsplattform an der Mauer ließen den Checkpoint Charlie schon zu Mauerzeiten zu einem touristischen Ort werden.

Das „Loch in der Mauer“

In doppelter Hinsicht war der Grenzübergang an der Friedrich-/Zimmerstraße ein „Loch in der Mauer“. Zum einen passierten hier Menschen aus der ganzen Welt von West nach Ost die Mauer und brachten andere Lebenswelten und -ansichten nach Ost-Berlin und in die DDR. Zum anderen gelang hier vielen Menschen aus der DDR die Flucht in den Westen – u.a. mit gefälschten Pässen, in falschen Uniformen und in umgebauten Fahrzeugen. Hier starben aber auch Menschen bei Versuchen, die Mauer zu überwinden: 1962 verblutete der 18-jährige Peter Fechter an der Mauer in der Nähe des Grenzübergangs, nachdem er von Grenzsoldaten erschossen wurde. Zwölf Jahre später erschossen Grenzsoldaten den 23-jährigen Burkhard Niering im Grenzübergang. Der Wehrpflichtige hatte einen Angehörigen der Passkontrolleinheit als Geisel genommen, um zu Fuß den Grenzübergang zu passieren.

Der Ausbau des Grenzübergangs

Auf der Ost-Berliner Seite wurde die DDR-Grenzübergangsstelle und der Grenzstreifen stetig umgebaut und erweitert. Im Laufe der 1960er Jahre baute die DDR den Bereich des Grenzübergangs flächig aus. Kontroll- und Abfertigungsgebäude wurden auf den geräumten Ruinengrundstücken entlang der Friedrichstraße errichtet. Schranken, massive Betonsperren und Panzersperren verhinderten eine einfache Durchfahrt. Für Fußgänger gab es enge Durchlässe auf den Gehwegen. Mitten auf der Friedrichstraße stand in der Nähe der Zimmerstraße ein niedriger Kontrollturm, der Anfang der 1970er Jahre durch einen höheren ersetzt wurde. Als in den 1970er Jahren der touristische Grenzverkehr zunahm, wurde ein umfassender Umbau der gesamten Grenzübergangsstelle geplant, der erst in den 1980er Jahren fertiggestellt wurde. Der Bereich der Grenzübergangsstelle wurde großflächig asphaltiert und mit weiteren Fahrspuren ausgestattet. Der Grenzverkehr wurde so nicht mehr nur über die Friedrichstraße geleitet, sondern auch über das angrenzende Grundstück zwischen Friedrich- und Mauerstraße. Mitte der 1980er Jahre erfolgte der große Ausbau mit nochmaliger Verlegung der Fahrspuren, mit neuen Kontrolltürmen und mit Abfertigungsgebäuden unter einer großen Hallenkonstruktion.

Der alliierte Kontrollpunkt veränderte sich baulich ebenfalls im Lauf der Jahrzehnte. Das hölzerne Kontrollhäuschen wurde zunächst erweitert und dann Mitte der 1970er Jahre durch einen Metallcontainer ersetzt. Er blieb jedoch stets ein nichtbefestigter Bau mitten auf der Friedrichstraße. In seiner provisorischen Gestalt sollte er die Nicht-Anerkennung der Teilung der Stadt verkörpern.

Ausschnitt aus einer Dienstkarte der Grenztruppen von 1986, zeigt den Grenzverlauf am Checkpoint Charlie im Stand von 1981

Ausschnitt aus einer Dienstkarte der Grenztruppen von 1986, zeigt den Grenzverlauf im Stand von 1986 © Stiftung Berliner Mauer

Todesopfer im Umfeld des Checkpoint Charlie

Im Umfeld der DDR-Grenzübergangsstelle an der Friedrich-/Zimmerstraße sterben vier Menschen an der Berliner Mauer. Die Todesfälle ereignen sich Anfang der 1960er und Mitte der 1970er Jahre. Drei von ihnen werden bei dem Versuch, die Grenzanlagen zu überwinden, von Grenzsoldaten erschossen. Bei einem Todesopfer handelt es sich um einen Grenzsoldaten, der von einem Fluchthelfer erschossen wird.

Peter Fechter (1944–1962)

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Peter Fechter verblutet an der Mauer in der Zimmerstraße bei seinem Fluchtversuch am 17. August 1962, nachdem Grenzsoldaten ohne Vorwarnung auf ihn geschossen haben.

Zur vollständigen Biographie bei "Chronik der Mauer"

Herbert Halli (1953–1975)

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Herbert Halli erleidet bei seinem Fluchtversuch in der Zimmerstraße am 3. April 1975 tödliche Schussverletzungen.

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Reinhold Huhn (1942–1962)

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Der Grenzsoldat Reinhold Huhn wird am 18. Juni 1962 von einem Fluchthelfer erschossen, als er Flüchtlinge auf dem Weg zu einem Fluchttunnel gestoppt hat.

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Burkhard Niering (1950–1974)

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Burkhard Niering wird am 5. Januar 1974 durch Schüsse tödlich verletzt, als er bewaffnet versucht, mit einer Geisel den Grenzübergang Friedrich-/Zimmerstraße zu durchqueren.

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