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Panzerkonfrontation 1961

Schwarz Weiß-Bild der Panzerkonfrontation

© U.S. Army Heritage and Education Center

Im September und Oktober 1961 verweigert die DDR-Grenzpolizei immer wieder US-Militärangehörigen in Zivil das unkontrollierte Passieren der Grenze. Am Abend des 22. Oktobers 1961 trifft es auch Edwin A. Lightner, den stellvertretenden Chef der US-Mission in Berlin. Er ist mit seiner Ehefrau auf dem Weg zur Oper in Ost-Berlin. Die DDR-Grenzpolizisten fordern ihn auf, sich auszuweisen. Lightner weigert sich und beharrt auf dem Recht der West-Alliierten, unkontrolliert nach Ost-Berlin fahren zu dürfen. Nach fast zwei Stunden lässt er sich schließlich von der US-Militärpolizei mit zwei Jeeps und acht bewaffneten Militärpolizisten durch den Grenzübergang begleiten.

Schwarz-Weiß-Foto von Lightner

Eskorte der US-Militärpolizei für den stellvertretenden Chef der US-Mission Berlin, Allan E. Lightner, am DDR-Grenzübergang Friedrichstraße, 22.10.1961 © US Army/Privatbesitz
 

Der Konvoi dreht auf Ost-Berliner Gebiet direkt wieder um und fährt zurück nach West-Berlin, um gleich darauf den Grenzübergang noch einmal zu passieren und zurück zu fahren. Beim dritten Mal wird Lightner nicht mehr gestoppt. Nach diesem Vorfall erheben die USA vehementen Protest gegenüber der Sowjetunion. Mit Verweis auf den Vier-Mächte-Status pochen sie auf ihr Recht, sich in ganz Berlin frei bewegen zu können. Die Sowjetunion verweist dagegen auf die Regelung des zuständigen DDR-Innenministeriums. Demnach müssen Angehörige der westalliierten Streitkräfte, die in Zivil die Grenze passieren wollen, sich als solche ausweisen.

In den zwei folgenden Tagen kommt es in der Friedrichstraße immer wieder zu den gleichen Szenen: DDR-Grenzpolizisten hindern Angehörige der US-Streitkräfte in Zivil an der Durchfahrt, die dann von der bewaffneten US-Militärpolizei durch den Grenzübergang eskortiert werden. Doch am 25. Oktober greifen die USA zu schärferen Mitteln: Sie schicken zehn Panzer an den Checkpoint Charlie. Drei Panzer fahren auf der Friedrichstraße bis an die Grenzlinie vor, sieben weitere Panzer stehen rechts und links der Friedrichstraße auf Grundstücken unmittelbar an der Mauer. Abends ziehen die Panzer wieder ab, fahren am nächsten Nachmittag aber erneut auf und nach einer guten Stunde wieder ab.

Am 27. Oktober ist die Lage angespannter, denn es hat sich herumgesprochen, dass in der letzten Nacht sowjetische Panzer in Ost-Berlin angekommen sind. Erneut fahren die US-amerikanischen Panzer am Checkpoint Charlie auf und ziehen sich nach kurzer Zeit wieder zurück. Als der letzte amerikanische Panzer verschwunden ist, fahren erstmals zehn sowjetische Panzer auf der Ost-Berliner Seite des Grenzübergangs auf. Obwohl sie nach wenigen Minuten wieder abrücken, spitzt sich die Lage zu: Die inzwischen alarmierten US-amerikanischen Panzer kehren sofort an den Checkpoint Charlie zurück, woraufhin auch die sowjetischen Panzer wieder auffahren. Kurz nach 18 Uhr stehen sich die beiden verfeindeten Mächte des Kalten Kriegs mit Panzern mitten in Berlin bedrohlich gegenüber.

US-amerikanische Panzer in der Friedrichstraße

US-Soldaten auf einem Panzer während der Panzerkonfrontation am Checkpoint Charlie © Stiftung Berliner Mauer, Foto: Gerhard Neumann

Die Nachrichten und die Bilder von der Panzerkonfrontation verbreiten sich schnell. Zahlreiche Journalisten und hunderte Schaulustige haben schon seit Tagen die Ereignisse am Checkpoint Charlie vor Ort verfolgt.

Die unmittelbare Konfrontation endet so rasch, wie sie gekommen ist. Am nächsten Morgen, nach 16 Stunden, ziehen zunächst die Panzer der Sowjetunion und dann die Panzer der USA wieder ab. In geheimen Verhandlungen haben sich die beiden Supermächte geeinigt, das medienwirksame Säbelrasseln zu beenden.

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